24
Jan
2011

Bild 24/1/11

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hopper-automat
boink - 24. Jan, 11:34

Ein rotes Cabrio, das Verdeck ist offen. In diesem Cabrio sitzen fünf Personen. Ein bärtiger Mann am Steuer. Und vier weitere Frauen besetzen den restlichen Platz im Auto. Die Umgebung um sie herum wirkt nicht so froh wie das helle Rot des Cabrios. Im Gegenteil, um sie herum ist vieles zerstört. Links von ihrem Cabrio stapelt sich der Müll, Häuser sehen nicht mehr aus wie sie sollten. Eine geknickte kleine Palme ist nicht mehr so lebendig wie sie eigentlich sein sollte. Das alles ist in einer Stadt. Wahrscheinlich eine spanisch sprachige Stadt den Menschen nach zu urteilen. Diese Menschen außerhalb des Cabrios sind in Bewegung. Sie sehen sich um, sehen das Chaos was sie umgibt. Die junge Frau die Links im Cabrio sitzt trägt ein schwarzes Shirt. Ihr Gesicht ist verzerrt, ihre rechte Hand hält ein Handy auf das sie blickt. Eine andere junge Dame die sich auch im Cabrio befindet, hält sich ein weises Tuch vor dem Mund. Ihre Augen werden von einer Sonnenbrille versteckt. Ihr dunkles Haar trägt sie zu einem Zopf zusammengebunden. Sie blickt nach Rechts. Die blonde Beifahrerin blickt auch nach Rechts. Aber wieso blicken sie nach rechts? Unser Bild zeigt uns nur was sich Links von dem Auto befindet. Aber was lässt die Insassen nach rechts blicken? Eigentlich blicken sie nicht nach Rechts, sie starren. Alles wirkt trüb. Die Menschen, das Chaos sogar Licht das uns die Sonne spendet wirkt wie ein Schatten der alles umschließt.

cc - 24. Jan, 11:43

Tiefe Gewässer (Automat)

Nancy saß in ihrem Lieblingslokal. Das Café hieß Mocca-Mocca und war am Rande von London. Sie war gerade erst gekommen, ihren Mantel ließ sie an. Draußen regnete es. Da sie Stammgast war wusste der Kellner schon genau, was sie wollte und brachte ihr – wie immer – einen kleinen Schwarzen mit einem kleinen Schuss Sodawasser. Warum sie ihren Kaffee seit Jahren so trank, wusste er nicht, wusste sie nicht. Eigentlich wusste niemand viel über Nancy, außer, dass sie Nancy hieß und jeden Tag genau das gleiche trank und das Geld immer abgezählt hergab. Immer mit 23 Pence Trinkgeld. Sie hatte einen neuen Hut auf. Der Kellner, der sie immer bedient hatte, hatte schon ein Auge auf sie geworfen. Zum Einen, weil sie eine sehr schöne Frau war, zum Anderen, weil sie ihm ein Rätsel war. Den neuen Hut sah er als Grund, sie anzusprechen. „Diesen Hut habe ich noch nie an ihnen gesehen. Ist er neu?“, sagte er recht selbstbewusst. Sie sah ihn kurz an, aber antwortete nicht. „Steht ihnen ausgezeichnet!“, hakte er nach. Noch bevor er seinen Satz zu Ende gesagt hatte, stand sie auf und verließ ruhig das Lokal. Auf dem Tisch lag wie immer das abgezählte Geld. Diesmal jedoch ohne Trinkgeld. Der Kellner nahm sich die Abfuhr nicht wirklich zu Herzen und dachte auch nicht mehr viel darüber nach. Er hatte auch nicht vie Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Zwei Tage später rief die Nachbarin die Polizei an und als die Beamten ankamen, fanden sie den Kellner kopfüber hängend mit zahlreichen Stichwunden in seiner Wohnung. Anbei eine Nachricht:

„Manche tiefen Gewässer sind nicht umsonst tief. Die Tiefe dient als Mittel, die Geheimnisse zu bewahren, die es birgt. Neugier ist, besonders in dieser Situation, wie sichtbar, nicht ratsam.“

Max S.

Becke - 24. Jan, 11:43

Die erste Reaktion

Umringt von Trümmer und nahezu verstörender Trauer schlängelt sich der rote VW-Mini durch die angsterfüllten Straßen. Es rollt. Langsam. Unauffällig. Die Insassen isoliert. Sie wollen sich isolieren. Sie versuchen sich fernzuhalten von solch einer bedrückenden Situation. Eine Stadtrundfahrt, nur ohne Stadt.
Verstummung ist die Folge der direkten Konfrontation. Beobachten, filmen aber nur nicht auffallen. Und schon gar nicht helfen! Warum eigentlich nicht?
Die Reaktionen sind verschieden. Klar, jeder Mensch ist verschieden. Jeder hat seinen eigenen Zugang. Für Extremsituationen sind wir nicht geschult. Jeder handelt individuell.
Eine Wolke von unmenschlicher Verblüffung umgibt das rollende Fahrzeug dessen Insassen fast ausschließlich Frauen sind. Sie sind weit weg von zu Hause. Entfernt von der Sicherheit, der so sehr vermissenden Geborgenheit. Nur wenige Meter trennen die eingeschüchterten Frauen von den unberechenbaren Menschen, welche jedoch dem roten Cabrio nicht wirklich Beachtung schenken.
Die Gedanken sind weg. Erstickt von den panischen Schreien welche durch die Straßen hallen. Sie haben Angst. Ausnahmslos jeder hätte Angst, oder wäre zumindest in solch einer aussichtslosen Situation ein wenig beunruhigt. Die Reaktion erzählt viel über einen Menschen. Empfindet man Angst oder Trauer? Nur der Versuch der Vortäuschung eines Zustandes würde in einer absoluten Lächerlichkeit enden. Selbst der beste Schauspieler könnte solch ein Gefühl nicht überdecken.
Die unterschiedlichen Handlungen der einzelnen Beteiligten lässt viel über ihre Persönlichkeit schließen. Entsetzen, Verwunderung und Furcht in diesem Fall. Nur der Fahrer, der einzige Mann im Gefährt repräsentiert ein Bild von Gelassenheit, welches die Emotionen der Frauen zusätzlich untermalt.

Maximilian H.

vic.0 - 24. Jan, 11:44

Laute Musik dröhnt aus den Boxen des roten Cabrios. Der bärtige Fahrer mit den längeren, gewellten Haaren wirkt durchaus zufrieden mit sich selbst. Kein Wunder, hat er doch vier attraktive junge Frauen in seinem Auto sitzen. Eine am Beifahrersitz und drei auf der Rückbank. Eine hält ihr Handy gut sichtbar in der Hand vor sich, vielleicht ist sie auf der Suche nach einem Signal oder hat gerade eine Nachricht bekommen. Die andere ist gerade damit beschäftigt, sich die Nase mit einem weißen Taschentuch zu putzen, die dritte blickt mit gerunzelter Stirn hinter ihrer Sonnenbrille dem Fotografen entgegen. Oder jemandem, der es sich herausgenommen hat, ihnen Anzügliches nachzurufen oder sie mit begehrlichen Blicken zu belästigen. Die Frau am Beifahrersitz, in einem weißen T-shirt, präsentiert stolz ihre blondierten Haare und goldenen Kreolen, begleitet von einem arroganten Blick durch ihre große Sonnenbrille, in der sich die andere Straßenseite spiegelt. Was ist so besonders daran? Hübsche Frauen in einem Cabrio sind in einer Stadt wie dieser keine Seltenheit. Wahrscheinlich ist es diese Gegenüberstellung, diese Veranschaulichung von Vergänglichkeit. Denn sie fahren nicht auf irgendeiner Straße. Das Haus, welches eigentlich hinter ihnen stehen sollte, ist ein einziger Trümmerhaufen. Schutt und Asche. Hier blitzt ein rotes Hemd zwischen den Resten des Gebäudes hervor, dort, der gelbe Fleck, der an einen Duschvorhang erinnert.
Doch auch die Menschen auf dieser Straßenseite scheinen sich bereits daran gewöhnt zu haben. Sie gehen an der Zerstörung vorbei, als sähen sie nicht, dass hier das Hab und Gut vieler Familien in Trümmern liegt. Als beträfe sie das alles nicht. Trotzdem, in dem Blick des Mannes, der sich ungefähr in der Bildmitte befindet, erkennt man deutlich sein Missfallen. Wem aber gilt sein verächtlicher Blick? Dem Fotografen, der die Privatssphäre, das normale Leben auf der Straße stört? Oder weil er es sich herausnimmt, diese, einen auf seltsame Art berührende, Situation abzulichten? Vielleicht ist es auch ganz anders. Bilder haben bekanntlich keinen Ton, es könnte auch sein, dass sich der Mann über laute Musik aus dem Cabrio ärgert, über das arrogante Gehabe der Insassen oder ihm dieser Kontrast von Besitz selbst zu stark erscheint. Oder er hat einfach einen schlechten Tag.
Die anderen Menschen auf der Straße scheinen ihren Wegen wie sonst auch nachzugehen. Als gäbe es diesen Haufen Schutt vor ihrer Nase nicht. Als wäre da nie etwas anderes gewesen, als wäre diesem Ort der Zerstörung nie ein Ganzes, ein Fundament für Leben vorangegangen. Aber, wenn wir ehrlich sind, verhalten wir uns genau gleich. In jedem von uns gibt es so ein Gebäude, das, wodurch auch immer, zum Einsturz gebracht wurde. Anstatt es aufzubauen, arbeiten wir daran vorbei, ignorieren es, ja, vielleicht haben wir Angst davor. Angst, Leichen unter den Steinen zu finden. Geliebte Menschen , Dinge, die schmerzliche Erinnerungen in uns hervorrufen. Wir können oft den Willen nicht aufbringen, uns an die Arbeit zu machen, vor allem, weil wir glauben, die Kraft dafür nicht zu haben. Wir fürchten, dem nicht gewachsen zu sein und beim Versuch, es aufzubauen, selbst zusammen zu brechen. Anstatt uns darum zu kümmern, lassen wir es weiter verfallen und machen uns vor, dass es da in uns keinen Ort des Schmerzes gibt, wir präsentieren uns (und anderen) viel lieber das neue Cabrio, die tollen Dinge, die uns widerfahren sind oder die wir geleistet haben. Doch in Wahrheit belügen wir nur uns selbst damit, denn von alleine wird es nicht verschwinden, das Trümmerfeld. Man muss den Mut aufbringen, es zu beseitigen und neu zu gestalten, denn sonst gehen wir früher oder später daran zugrunde. Aber vielleicht muss man erst verstehen, dass niemand alleine ein Haus wieder aufbauen kann.

cc - 24. Jan, 11:48

Stadtaffe

Man weiß nicht welcher Eindruck hier überwiegen soll. Das durch vermutlich ein Erdbeben zerstörte Armutsviertel, das mit ratlosen und hilflosen Menschen gefüllt ist oder die im Vordergrund präsent im klimatisiertem Cabrio sitzende Gruppe. Durch die Dolce & Gabbana Sonnenbrille lässt es sich leicht mit angewidertem Blick die Umgebung begutachten. Doch man stellt sich die Frage wie sich dabei jemand fühlen muss der gerade alles verloren hat. In einem einzigen Bild ist der krasse Unterschied zwischen Arm und Reich, zwischen den Fragen „wie überlebe ich die nächsten Wochen?“, und „wann kommt man endlich in der heiß ersehnten Shopping Mall an?“, gekonnt vereint. Auf der einen Seite kein Strom, kein Wasser, keine Sanitäranlagen und keine Ausweg auf eine bessere Zukunft. Auf der anderen Seite die Problematik des nicht vorhandenen Handy Empfangs oder der beißende Geruch von Staub, Smog und verbranntem Plastik im fein gepudertem Näschen. Das rote, frisch geputzte Cabrio versucht sich seinen Weg durch eine zerstörte, mit Trümmern belagerten, aufgerissenen Asphalt Straße zu bahnen. Es schein kein durchkommen zu sein, daher auch die fast schon empörten Blicke der Insassen. Dieses Bild spricht Bände über das Leben und die unterschiedlichen Schichten und Qualitäten der Menschen.

A.K

cc - 24. Jan, 11:52

Urlaubserfahrung

Ich bin Chauffeur und habe schon für komische Läute gearbeitet. Ich bin für Promis und Bäcker gefahren und zu den seltsamsten Zielorten. Mein letzter Auftrag kam von vier jungen Frauen. Ich sollte sie vom Flughafen abholen und einmal durch die Stadt führen. Solche Aufträge bekam ich häufig und für mich ist das so etwas wie eine Standardroute. Ein paar Sehenswürdigkeiten, die top Einkaufsstraße, ein Luxusrestaurante und am ende ein Club oder Theater je nach dem was bevorzugt wird.
Als ich sie abholte wusste ich schon was mich erwarten würde. Der erste Eindruck zählt wie man so treffend sagt. Sie kamen aus der Empfangshalle heraus stolziert, Geschminkt, Geliftet, und mit Markenartikeln überzogen das man meinen könnte es wäre eine wandelnde Reklametafel. Aber ich versuche nicht meine Kunden zu ver-, oder beurteile. Es steht mir nicht zu. Ich fahr nur von A nach B dafür werde ich bezahlt. Also begrüßte ich sie und lies sie in das Cabrio einsteigen. Sie wollten unbedingt ein Cabrio.
Also machte ich mich auf den Weg Richtung Stadt. Doch noch bevor ich auf die Autobahn auffahren konnte meinte eine der „Damen“ wir müssten die route ändern und ein neues Ziel anpeilen.
Sie wollten in die Vororte, in die Slums, wo noch ein paar Wochen zuvor ein Erdbeben gewütet und alles zustört hatte. Früher war ich oft dort in der Gegend doch heute ist davon fast nichts mehr wieder zu erkennen. Zerstörte Häuser säumen riesige Löcher im Boden, in denen sich Schutt und Dreck türmen. Mit viel mühe konnte man teile von den Wohnungen von früher erkennen. Hier und da ein Kühlschrank, Fernseher oder ein Herd. Noch mehr als mich das schockierte, schockierte es meine Fahrgäste. Ich weis bis Heute nicht wieso sie dort hin dort hin wollten, vielleicht um Interesse zu heucheln, für einen guten Zweck. Auf jeden fall bekamen sie mehr als sie erwartet hätten. Ihre heile Welt wurde in stücke gerissen. Bei jeder Entdeckung die sie machten schluchzen sie und machten Fotos als währen sie in einem Museum und würden eine Ausstellung betrachten. Plötzlich zog eine Duftwolke von Verwesung und tot auf. Es roch widerlich süßlich als währe ein riesiger Haufen Fleisch am verwesen. Wir näherten uns dem Ort an dem sie alle Leichen die sie Fanden aufbahrten. Es war ein platz voller Männer Frauen und Kinder, zerdrückte, erstickte Opfer des Erdbeben und dessen Auswirkungen. Doch die die sie gefunden hatten waren nur wenige die meisten lagen noch verschüttet unter uns. Ich hörte schluchzen und würgen von der Rückbank und wusste das es höchste zeit war wieder um zu drehen. Die „Mädels“ sahen mehr als sie sehen wollten.
Sie sprachen die gesamte Rückfahrt kein Wort. Das war sicher nicht das was sie sehen wollten Ihre wellt lag in Trümmern bis jetzt haben sie nie über andere nachgedacht und hielte sogar sich selbst für unantastbar. Ich meine sie habe was gelernt aus dieser kleine Rundfahrt.


MO

cc - 24. Jan, 11:52

Verwüstung. Totale Verwüstung. Häuser sind zerstört, Steinbrocken und diverses Andere bilden einen Berg aus… Mobiliarresten und Schutt. Eine Palmenkrone verdeckt einen kleinen Teil des Horrorszenarios. Man sieht Menschen, die an diesem Geschehen vorbei gehen ohne es zu beachten, so als ob es nie anders gewesen wäre. Verzweiflung sieht man in ihren Augen nicht – eher Erstaunen über das rote Cabrio mit 5 Insassen, 4 davon weiblich. „Was tun solche Leute hier?“, kann man in den Augen des Mannes, rechts in der Ecke, lesen. Das Cabrio ist eine Art eigene Welt - etwas das, für den Betrachter, nicht zu dem Rundherum gehört, wie ein Planet aus einem anderen Universum. Es ist von einer Art Schutzmantel oder Sicherheitsblase umgeben. Keiner der fünf Menschen im Auto macht Anzeichen aussteigen zu wollen, haben sie Angst auszusteigen? Fühlen sie sich zu gut um die Leute zu fragen ob sie ihnen helfen könnten? Die Körpersprache der 4 Frauen zeigt eine Abneigung, kein Mitleid und ein sich anwidern vor dem Anblick der sich ihnen hier zeigt. Trotz der Sonnenbrillen sieht man die Arroganz und das sich besser fühlen, gegenüber den Menschen außerhalb des Autos. Eine von ihnen fotografiert wie wild, eine Andere muss sich sogar schon ein Taschentuch vor Mund und Nase halten. Was also tun solche Leute dort? Frauen mit Markensonnenbrillen und teurem Gewand… Haben sie sich verfahren? Sind sie absichtlich dort? Wenn ja, wieso verhalten sie sich so? Wieso wird das rote Cabrio von den Menschen dort nicht wirklich beachtet? Dem Betrachter allerdings springt dieser Kontrast sofort ins Auge?

Miriam

cc - 24. Jan, 11:54

Es ist wie in Amerika. Wie im Traum. Ein rotes Cabrio, ein End-Zwanziger, mit langen, zurück gegelten Haaren und Polohemd. Ein Blondchen inklusive zusätzlichen Airbags am Beifahrersitz, auf der Rückbank noch mal drei fesche Chicas, quasi eingepackt, für später. Diesmal aber in Brünett.
Eine Palme- paradiesisch. Man möchte meinen, man ist auf dem Sunset Bullevard, deswegen auch die Designer-Sonnenbrillen. Die von Dolce und Gabbana war allerdings zu teuer, um durch sie so viel Schmutz zu sehen. Links und Rechts der Pornokarre türmen sich Schuttberge, die fast wie Wellen auf sie einzubrechen drohen. Noch nicht einmal die 7.000 Dollar Ballontitten würden sie in diesem tiefen und dunklen Meer über den Spiegel der Furcht tragen.
Der Reichtum an Müll lässt plötzliche Armut vermuten. Armut an Hoffnung, an Ordnung, an Gerechtigkeit. Man ist fast schon empört über diesen Sauhaufen.
Mit dem neuen Smartphone werden noch schnell ein paar Fotos gemacht, über die man sich bei der nächsten Cocktailparty sensationsgeil das Maul zerreißen kann, bevor man zu den altbewährten Lästereien über diverse Face-liftings übergeht. Oder man lädt sie gleich auf Facebook hoch, vielleicht bekommt das Foto ja mehr als 10 Likes…Das alles aber im gemäßigten Abstand zum Pöbel, der mal wieder die Arschkarte gezogen hat. Kein Auto um einfach wegzufahren, und wenn sie eins hätten, wäre es jetzt Teil des Müllungeheuers, begraben unter ihrem bisherigen Leben.
Zerstörte Abflüsse, Gas, das austritt: der Gestank allerdings ist für alle da, er macht nicht vor operierten Nasen Halt.

Anna

M.J.J - 24. Jan, 11:58

Schauen wir noch hin?

Zerstörung, Chaos und im Gegensatz dazu ein teures Auto und schicke Sonnenbrillen. Diese skurrile Ungleichheit springt dem Betrachter dieses Fotos sofort ins Auge.
Das zertrümmerte Haus neben ihrem Fahrzeug scheint die fünf jungen Leute darin nicht wirklich zu beeindrucken. Vermutlich sehen sie so etwas nicht zum ersten Mal.
Viel interessanter ist eindeutig die Linse des Fotoapparates, in welche die beiden hinteren direkt hineinblicken, während die Frau auf dem Beifahrersitz in ihrem weißen, enganliegenden T- Shirt regelrecht zu posieren versucht.
Die Frau mit dem Handy in der Hand scheint nicht gerade begeistert zu sein, vielleicht hat sie eine unangenehme SMS empfangen. Oder verzieht sie ihr Gesicht nur deswegen so weil sie von der Sonne geblendet wird? Sie trägt als einzige keine Sonnenbrille.
Und der Fahrer, ein gut gepflegter junger Mann, konzentriert sich brav auf die Straße, damit seine vier hübschen jungen Frauen auch heil zu Hause ankommen.
In ihren Köpfen scheinen einige Gedanken herumzuschwirren, nur der Müll und die Verwüstung um sie herum beschäftigen sie nicht…
Halt, Falsch!...oder nicht falsch, aber anders…
Es könnte auch so sein, dass der Lenker des Wagens sich weiterhin auf die Straße konzentriert während seine Mitfahrerinnen doch von der Situation betroffen sind. Sie wenden sich nur deswegen von der Zerstörung hinter ihnen ab, da sich auf der anderen Straßenseite noch größeres Elend befindet.
Die gestreckte Sitzhaltung der Frau vorne, ist auf ihre Neugier zurückzuführen.
Die, mit dem Handy in der Hand, macht ein Foto von dem, was diese jungen Menschen in diesem Augenblick sehen müssen. Diese Menschen, für die es ganz und gar nicht alltäglich ist Armut, Leid und Trauer zu erblicken. Der Gesichtsausdruck der Frau spiegelt ihren Unmut wieder.
Und die junge Frau ganz hinten sieht den Fotografen gar nicht. Sie blickt direkt ins Chaos und verbirgt ihre Erschrockenheit und vielleicht ein paar Tränen in ihrem Taschentuch.
Vielleicht messen sie dem was sie sehen keine Bedeutung mehr bei, sobald sie Zuhause sind.
Vielleicht veranlasst es sie zum Nachdenken und sie geben ab jetzt einen Teil von dem was sie haben Menschen, von denen sie denken, dass diese es dringender brauchen.
Genau diese Gespaltenheit und Zweideutigkeit sind es, die mich als Betrachter beschäftigen. Auch wenn ich nicht, wie die Insassen dieses Autos, direkt an so einem Maß an Trostlosigkeit und Zerstörung vorbeifahre, sehe ich doch oft genug Fotos von Orten an denen es genau so zugeht.
An manchen Tagen bin ich diesen Bildern gegenüber stumpf. Allzu oft sehe ich sie im Fernsehen oder in der Zeitung.
An anderen Tagen bewegen sie mich sehr, doch zu leicht gelingt es mir, sie ob meiner Probleme im Alltag beiseite zu schieben.
Und manchmal, an den besten und leider seltensten Tagen, regen sie mich zum Nachdenken darüber an, was solche Geschehnisse auch mit mir zu tun haben und versuche für mich Dinge zu finden mit denen ich als einzelne helfen kann.

Ruth H.

cc - 24. Jan, 12:10

„Abseits der Touristen Pfade"

So hatten sich fünf spanische Touristen ihren Marokko Urlaub sicher nicht vorgestellt. Als sie in ihrem roten Cabrio von ihrer Hotelanlage in Richtung Luxusstrand aufbrachen, nahmen sie eine falsche Abzweigung und kamen von der örtlichen Schnellstraße ab. Die einspurige Landstraße, die von Schlaglöchern gesäumt wurde, bot für die fünf Touristen keine Möglichkeit umzukehren. Die Straße führte sie in ein Dorf, in dem man das echte Marokko zu spüren bekam. Ein Dorf abseits der Touristenpfade, dessen Infrastruktur durch bewaffnete Auseinadersetzungen und kleinere Naturkatastrophen zerstört wurde. Ein Dorf in dem große Armut und Ratlosigkeit die Menschen prägte. Ein Dorf, das wohl kaum ein Tourist jemals zuvor gesehen hatte.
Natürlich schauten die Dorfbewohner nicht schlecht, als das rote Cabrio mit den fünf merkwürdigen Touristen an ihnen vorbeibrauste. Der Fahrer versuchte sich nicht ablenken zu lassen und starrte geradeaus. Links neben ihm saß eine Frau, deren Blick sich abwandte von Zerstörung und Armut. Ein Blick voller Verzweiflung, um diese Szenerie nicht sehen zu müssen. Eine weitere Frau, die hinten im Cabrio saß, hielt verzweifelt ihr Smartphone in Händen. Sie wollte ihrer Position orten und Hilfe rufen, doch offenbar versagte die Technik.
Eine weitere Frau hinten, deren weißes T-Shirt wohl mehr an „Sommer, Sonne, Sonnenschein“ erinnerte, verbarg ihr Gesicht in den schwarzen Haaren ihrer Freundin. Diese hatte sich mehr als alle anderen abgewandt, da sie noch weniger als die anderen emotional der Situation gewachsen war. Augen und Nase rannen ihr, eine Sonnenbrille und ein Tuch sollten dies verdecken. Doch sie fürchtete auch die örtlichen Krankheiten, weshalb sie sich ihr Tuch auch gegen den Mund presste.
Dies ist eine weitere typische Szenerie, die das allgemeine Cliché wieder einmal bestätigte. Doch auch wenn es ein „Cliché“ ist, zeigt sich das eines in unserer Gesellschaft zu gerne und zu oft vergessen wird. Es wird von uns nicht hingeschaut auf Länder und Regionen der Welt, denen es nicht so gut geht wie uns. Wir nehmen durch die modernen Medien, die Ausmaße der Zerstörung und die Zahl der Opfer als Statistiken oder Fakten hin. Dabei vergessen dass hinter jeder einzelnen Zahl das Leben eines Menschen stand, ein Mensch mit seiner eigenen Persönlichkeit, seine eigenem Umfeld und seiner eigenen Geschichte.
Hätte diese fünf Touristen in dem roten Cabrio sich schon früher mit diesen Themen befasst, hätten sie wahrscheinlich zu den Menschen dort, einen besseren Zugang gehabt und wären Emotional besser damit zu Recht kommen. So liegt es letztendlich an jedem einzelnen von uns, sich damit zu befassen und so unsere Welt ein klein bisschen zu verbessern.

Text von: Marco

Sophia Rührer - 24. Jan, 12:41

Sie war sicherlich nicht die schönste Straße, sie war dreckig und die Häuser die sie bildeten waren kurz vorm auseinanderfallen. Jedoch konnte man sie eine Straße nennen, was man sie jetzt nicht mehr bezeichnen kann. Alles ist durcheinander. Alles ist kaputt. Alles ist Schrott. Mein Haus ebenfalls. All meine Sachen sind weg. Meine wenigen aber tausendfach gelesenen Bücher, meine selbst gebastelte Modelleisenbahn, für die ich Jahre gebraucht habe. Es war alles dabei, sogar kleine Schafe habe ich geschnitzt um die Umgebung der Bahn noch natürlicher wirken zu lassen. Am allermeisten tut es mir allerdings meine Katze leid. Sie hat das Unglück nicht überlebt. Jedenfalls ist sie nicht auffindbar. Ich hab sie stundenlang gerufen, jeden Stein nach ihr umgedreht. Gedankenverloren schlendere ich durch die Straße. Ohne Ziel vor Augen.
Und dann sehe ich sie. Die vier Frauen und der sehr selbstzufriedene Mann in einem roten Cabrio. Was sie hier wollen? Gute Frage. Sie sehen sich um und urteilen über ihre Umgebung. Rümpfen die Nase, schießen Fotos und eine der Damen hält sich sogar ein Taschentuch vor den Mund. Wundert mich nicht, unter dem ganzen Schutt liegen einige meiner Nachbarn begraben und wie das in der Natur nun mal so ist, fangen Leichen irgendwann an zu stinken.
Sie kommen mit Sicherheit aus dem reichen Viertel. Doch dieses zu betreten wäre für Unser einen nicht gerade vorteilhaft. Beschimpft wird man und danach fortgejagt. Das Auto ist von einer dichten Parfumschwade umgeben. Jeder der drinnen sitzenden muss einen Köpfler ins Parfumfläschchen gemacht haben. Alle tragen sie feine Sachen, schöne Sonnenbrillen und glotzen uns alle blöd an. Wir haben es nicht so gut wie die. Jetzt erst recht nicht mehr. Vor diesem Unglück war die Kluft schon groß genug, jedoch jetzt.....
An die junge Dame mit dem Taschentuch erinnere ich mich jedoch. Sie kommt von hier. Früher haben wir sogar miteinander gespielt. Ich muss zugeben, ich war ziemlich verliebt in sie und wenn ich ehrlich bin, bin ich es heute noch. Sie hat dann reich geheiratet und war von einem mal aufs andere weg. Hat sich nie wieder blicken lassen. All ihre Kinderfreunde, mich schließe ich mehr oder weniger ein, ließ sie hängen. Sie wusste, dass es sehr vielen von uns an den nötigen Mitteln zum Überleben fehlte, doch das ließ sie kalt. Ihr neues Leben war ihr viel zu wichtig. Vor allem, was hätten die anderen Leute bei den Partys von ihr gehalten, wenn sie herausgefunden hätten, dass sie ein Straßenkind ist. Was ist nur aus ihr geworden. Am liebsten würde ich zum roten Auto hin laufen und sie ansprechen. Anfangen von Kindheit zu reden und ob sie denkt mit Geld sei man was besseres. Sie würde nicht darauf eingehen und behaupten, sie kenne mich nicht. Es würde aber Fragen bei ihren Freunden aufwerfen. Wer war der Mann? Woher weiß der deinen Namen? Und dann müsste sie irgendwann mit der Sprachen raus rücken und es würde sich zeigen was passiert. Aber nein, das tu ich nicht. Würde ihr Leben mit Sicherheit nicht angenehmer machen.
Würde ich eigentlich gern in diesem Auto sitzen?
Mit teuren Kleidern und riesenhaften Sonnenbrillen?
Mir das Taschentuch vor die Nase halten und so tun, als hätte ich mit diesem Ort nichts zu tun?
Heimat fällt mir ein und auf einmal bin ich diesen Typen im Auto dankbar.
Ich weiß jetzt, wo ich hingehöre.


Sophia Rührer

Bombastus - 24. Jan, 23:27

Wer ist das?

Der Rauch in dem kleinen Kaffeehaus trübte die Sicht und passte zu Rosas tauber Stimmung. Kurz nippte sie an ihrer Tasse, dann wandte sie den Blick wieder aus dem Fenster. Fragen vernebelten ihren Verstand. Wie würde er wohl aussehen? War er alt oder jung? Was war das für ein Mann, der sich aus dem Leben seiner Tochter fernhielt?
Sie wuchs ohne leiblichen Vater auf, doch aufgrund ihrer Neugier und dem Drang ihn endlich kennenzulernen, hatte sie ihre Mutter terrorisiert seit Rosa noch ganz klein war. Doch erst nach ihrem Studium hatte ihre Mutter Rosa die Nummer ihres Vaters gegeben. So hatte Rosa ein treffen vereinbart. In einem schäbigen, kleinen Kaffeehaus, sporadisch eingerichtet, mit massiven Holzstühlen und Steinplattentischen, lag es nahe des Picadilly Circus.
Es war schon nach acht. Er war zu spät. Sie nippte ein weiteres Mal an ihrer kleinen Tasse. Verkrampft saß sie da, fast schon verdreht, als wäre sie sofort zum Aufbruch bereit, deshalb auch der Hut und der Mantel, die sie noch beibehielt. Das alles waren Zeichen von Anspannung. Doch nichts übertraf die gestresste Haltung des Mannes, der sich in diesem Augenblick zu ihr setzte.

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