Ich weiß nicht viel über ihn; weder wo er wohnt, noch wie alt er ist.
Er geht auf das Ithuba Skills Collage wo ich ihn unterrichtet habe. Eigentlich waren es nur zwei Tage die ich mit der Klasse verbracht habe, aber dennoch ist er mir besonders aufgefallen.
Er liegt eindeutig über dem Durchschnitt im Vergleich zum Rest der Klasse, hat gute Kenntnisse im Schreiben und Rechnen.
Smismo sollte an die 15 oder 16 Jahre alt sein. Von seiner Statur her war er schon groß für sein Alter und gut gebaut. Er hatte ein leicht rundes Gesicht, kurze Haare und immer ein Lachen aufgesetzt. Bekleidet war er mit rot-weiß kariertem Hemd, zusammen mit der braunen Uniformhose der Schule. Er meinte, sein Hobby sei Fußball, aber ich habe ihn nie spielen gesehen.
Was mich besonders überrascht hat, war sein außergewöhnliches Talent auf Sachen einzugehen und Neues kennenzulernen wie zum Beispiel im Theater:
Smismo hielt eine Flasche mit Sonnencreme in der Hand „This is a special map for your car“, erklärte er mir „You just have to press here and here, and than it shows you where to go“
Die Aufgabe war, uns auszudenken was diese Flasche mit Sonnencreme sein konnte – Es durfte alles sein - außer eine Flasche mit Sonnencreme!
„What else can I do?“, fragte ich ihn. Er wollte mir dieses Ding verkaufen „It shows you the waether of today. Today it is h-o-h-e-r S-c-h-u-t-z“, las er von der Flasche ab. Ich musste schmunzeln.
Viele seiner Schulkollegen hätten sich nie getraut solche Spielchen auszuprobieren. Er aber hat es einfach gemacht, vielleicht ein bisschen unbeholfen, aber es war irre komisch, ihm dabei zuzusehen.
Zum Abschied haben wir uns leider nicht mehr gesehen. Ich wünsche ihm aber alles Gute und hoffe, dass man sich bald wieder sieht!
Becke - 23. Feb, 11:35
Es ist heiß heute.
„The - weather - is - hot.“
Durch die geöffnete Schiebetür des Klassenzimmers fährt ein warmer Wind.
„All together, The – weather – is – hot.“
Helle Stimmen klingen durch die stickige Luft. Die Augenlider werden schwer.
„Palesa! Today it is - ?“
Ein kleiner Schreck, die dunklen Augen werden groß, als Miss Gowos Zeigefinger auf sie deutet.
„Palesa! Today, the weather is -?“
Der Blick huscht in eine andere Richtung, hilfesuchend, findet ein Paar andere Augen, heller als die eigenen. Ein Lächeln.
Palesa lächelt zurück. „Today, the weather is hot.“
„Right. All together again.“
Die Klasse wiederholt den Satz, Palesa bewegt die Lippen mit, die Augen immer noch auf das lächelnde Gesicht am anderen Ende des Klassenraumes gerichtet.
Short Break.
Kinder in blauer Uniform strömen der Mittagshitze entgegen, kramen in ihren Schultaschen nach Brot und Gemüse.
„Du hast meinen Muffin eingesteckt.“ Eine kleine Hand, die sie schubst. Palesa dreht sich zu ihrer Schwester um. „Nein!“, antwortet sie in Zulu. Die Hand schubst wieder. „Miss Gowo, Miss Gowo!“
Bevor der Streit ausatet, werden die Schwestern von zwei anderen Händen getrennt, weicher und blass.
„Hey, what is it?“ Die Stimme ist schon vertraut, nach fast einer Woche.
Schweigen, Palesa lächelt, Bonthe verzieht trotzig das Gesicht.
„Come on.“ Sie gehen zusammen auf die Spielwiese, alle Kinder halten sich an den Händen, ein Kreis bildet sich.
Die Sonne scheint, fast zu grell, man muss die Augen zusammen kneifen, Palesa ist es gewöhnt.
Sie spielen ein neues Spiel. Palesa beobachtet die neue Lehrerin, ihre Lippen formen ihren Namen. Sie sagt ihr jedes Mal, dass sie so genannt werden will, dass Palesa nicht nach „Teacher“ rufen soll.
Lea. Er fühlt sich ungewohnt an auf ihrer Zunge, dieser Name, sie probiert es noch einmal. „Leeyaa.“
Art.
An der Tafel entstehen farbenfrohe Bilder, Bäume und Hügel, eine Prinzessin auf ihrem Pferd, Sonne und Wolken am Himmel.
Alle Kinder sind über ihre Blätter gebeugt, Miss Gowo sitzt vorne am Lehrertisch und korrigiert die Hausaufgabenhefte. Am Nachmittag ist die Hitze leichter auszuhalten.
Siyabonga, zwei Reihen hinter ihr, fragt nach einem Hund, Lea geht an ihrem Tisch vorbei.
„Can you draw a dog?“
Sie lacht, geht zurück zur Tafel, bleibt kurz bei Palesas Tisch stehen.
Schnell schiebt Palesa das Blatt in ihre Richtung, damit sie es sieht, das große Schloss, die Prinzessin, das Pferd, für das sie lange gebraucht hat, und mit dem sie trotzdem nicht ganz zufrieden ist.
„Wow, Palesa, this is beautiful!“
Wieder ein Lächeln, auf den Lippen und in den Augen. Palesa greift nach ihrer Hand. Lea drückt kurz, leicht zu, dann geht sie zurück zur Tafel und sucht nach einer braunen Kreide.
Palesa sieht einige Minuten nach vorne, dann greift sie nach ihrem Stift und beginnt, einen Hund auf den obersten Hügel zu zeichnen.
leaaaa - 23. Feb, 10:52